Die schöne, manchmal lustige, manchmal traurige Geschichte von Brotlos:



Wie auch bei vielen anderen Bands liegt der Ursprung von Brotlos in einem Hirngespinst. Es ist wohl überflüssig zu erläutern in welchem Zustand, zu welcher Uhrzeit, etc. - jedenfalls waren Dominik Neef und Christian Schranz an jenem 1.Mai 1998 im „Geschmacklosen“-Steinbruch hackedicht als sie beschlossen, falls sich ihr Hirngespinst tatsächlich mal verwirklichen sollte, ihre Band solle einmal den hübschen, aber nicht zu vielversprechenden Namen „Brotlos“ bekommen.

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Im Prinzip war damit eigentlich alles klar. Eine Elektrische Gitarre (Rolle Neef) und ein Schlagzeug (Rolle Schranz) wäre schon irgendwie aufzutreiben... Dies erwies sich jedoch als weniger einfach als angenommen und so dauerte es eine Weile, ehe man das erste mal im Schranz’schen Keller zum gemeinsamen musizieren zusammentrat. Einige Wochen vertrieb man sich mit dem Spielen einiger Nirvana-Riffs, dem wohl einfachsten Song der Musikgeschichte „Knocking on Heaven´s Door“ und (natürlich!!!) reichlich Schwachsinn die Zeit, bevor man sich darauf einigte, es könne der musikalischen Qualität eventuell förderlich sein eine dritte Person (mit Instrument) oder sogar eine vierte Person (möglichst auch mit Instrument) in den trauten Kreis mit einzubeziehen. Kann man ja mal machen... Wie der Zufall es so wollte, und weil Treis so klein ist und da jeder jeden kennt, brachte Gitarrist Neef den zukünftigen Bassisten Keifenheim mit inne „Band“. Dieser hatte zu diesem Zeitpunkt zwar in etwa genauso wenig Ahnung vom Bass spielen wie sein Kollege Schranz vom Trommeln, aber zu aller erstaunen, hörten sich die Nirvana-Riffs und die Bobby-Hymne und der Schwachsinn gleich noch besser an. Vom Evolutions-Trieb der ständigen Verbesserung vorangepeitscht, kam man mit sich überein, dass dem Ganzen irgendwie ein wenig Gesang fehlte (Quasi die Stimme des Schwachsinns). Nach dem ein oder anderen Fehlgriff bot sich eines schönes Tages der Treiser Nikolas Arnold an „mal ein bisschen mitzumachen“. Kammajammamachen... Die schlechten Erfahrungen mit dem ein oder anderen „Sänger“ hatten die Erwartungen und Ansprüche zu diesem Zeitpunkt auf ein seeehr niedrigen Punkt geführt. Als Sänger-Arnold dann zu singen begann, tat sich der Himmel auf, ein Lichtstrahl fiel herab auf das Quartett und die himmlischen Engelschöre begannen zu singen, denn was jener Arnold da aus der notdürftig zusammengebastelten Gesangsanlage und dem 10DM-Mikrofon zauberte übertraf jegliche Schönheit die man je zu hören bekommen hatten. Mit Tränen der Rührung in den Augen, schlossen sie ihren neuen Sänger in ihre Arme und lobpreisten den Herrn für dieses Geschenk des Himmels.



[Die Überlieferungen jenes Tages unterscheiden sich mitunter enorm von einander. Der Attraktivität des Textes wegen hat man diese recht zweifelhafte Version eingebaut. Es könnte auch etwas anders abgelaufen sein...]

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Vortan stürmte man die Charts, ging auf Welt-Tournee, spielte in den bedeutendsten Stadien der Welt, ehe man den Drogen und dem Alkohol verfiel und bei einem Flugzeugabsturz auf dem Weg zu einer Papstaudienz ums Leben kam...



[Der Vollständigkeit halber müssen wir dieses Gerücht mit einbeziehen. Sicher ist jedoch, dass es zunächst so weiter ging:]



In dieser Kombination begann man nun fleißig zu üben, denn der erste Gig stand praktisch schon vor der Tür, knapp ein und ein halbes Jahr nach Bandgründung galt es die Gäste auf des Vater-Schranz seines 50.Geburtstages zu unterhalten. Dort präsentierte man dann ein nettes Potpourri aus bekannten, für reifes Publikum zumutbaren, Songs wie z.B. Sweet home Alabama, California Dreaming und natürlich Knocking on heaven´s door. (Den monatelang eingeübten Schwachsinn ließ man an dieser Stelle noch ungehört.) Trotzdem war es eine gelungene Veranstaltung die mit reichlich Lob honoriert wurde.

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Natürlich wurde dieser erste Zwischenerfolg gebührend gefeiert – was sein Ende in den frühen Morgenstunden an der Treiser Hauptstrasse in einem Opel Astra fand, indem man ein mitgeschnittenes Bootleg mehrmals hintereinander auf Fehler untersuchte. Nach einigen Beschwerden der Nachbarn über Lautstärke (und Musik ???) brach man dann jedoch die Veranstaltung ab.

Nunmehr strotzte man vor Selbstbewusstsein, so dass man sich sogar vor zahlendes Publikum traute. Also organisierte man selbst ein Konzert (weil einen ja sonst keiner engagierte). Kammajammamachen...



Am 13. März stieg dann dieses Event unter dem Namen „Rock am Dom“. Und man hatte nicht zuviel versprochen, in der Tat fand dieses Konzert direkt neben dem Kardener Dom statt, im dortigen Pfarrheim. Mit von der Partie waren die den Brotlosen wohlbekannten, ja teilweise sogar verwandten Musiker von „Freaky Tool“. Vorgruppe waren die „Bad Habbits“ von Pommern. Und wenngleich die Brotlosen alles andere als zufrieden waren mit ihrer Leistung an jenem Abend, ergab die durchweg positive Resonanz des Publikums ein ganz anderes Bild. So sollte dieses Konzert ein Meilenstein in der Bandgeschichte werden, denn der Gig vor dem doch ziemlich brechend vollen „kleinen Club“ lies scheinbar keine (Zuhörer-)Erwartung unerfüllt. Naja, fast...



Es folgten viele Konzerte...



Nein im Ernst. Bald darauf stieß zu der Band noch Anna Piechotta ([wahnsinnig schöner] Gesang + Keyboards) und noch etwas später Iwo Iwanov (Gitarre [und was für eine]) hinzu, was zu einer immensen musikalischen Aufwertung Brotlos’ führte. Mit beiden kam es zu einer Vielzahl an Konzerten.

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„Sankt Martinsrock“ (Endertplatz), „Brohlstock“ (2000), der Schlumpf-Rock mit den Party-Animals in Müden und der „New Years Dance“ in Ernst sind nur einige (der am Besten in Erinnerung gebliebenen) Konzerte. Alsbald verabschiedete sich Anna Piechotta, die der Musikalischen Qualität von Brotlos entschieden an Entwicklungshilfe beigetragen hat, leider aus der Band im (immer wieder gern genommenen) beidseitigem Einvernehmen, denn Brotlos war letztlich nicht ihr einziges Projekt und so kam es schon mal zu zeitlichen wie auch logistischen Problemen. Dennoch hatte man eine wunderschöne Zeit miteinander... Als Ersatz musste der an den Tasten nicht minder begabte Mario Dunkel (Dohr) herhalten.

Mit ihm begannen Schranz und Neef anlässlich einer Fastnachtsveranstaltung am Martin-von-Cochem-Gymnasium dann auch ein Rage against the machine-Projekt. Schranz „sang“ hierbei, während der hinzugezogene Michael Saur am Schlagzeug saß. Kammajammamachen... Heraus kam eine überraschend nahe musikalische Übereinstimmung mit den Grossen um Zack de la Rocha. Also baute man bei weitern Konzerten das Projekt unter dem Namen „Los quattros dilettantos musiquos“ schon mal als „special guest“ mit ein. Hierbei wurden „Bullet in the Head“, Guerrilla Radio“ und „Bulls on Parade“ überzeugend echt zum Besten gegeben.

Leider kam irgendwann der Tag an dem auch Iwo Iwanov, der Weltklasse-Gitarrist mit dem plötzlich jedes Solo möglich schien, sich aus der Band ausklinkte. Auch er schaffte es nicht seinen Aufwand für die Band mit seinen Berufsvorbereitungen zu kombinieren (Musikstudium). Gottlob sollte es bei einer Auszeit bleiben.



Dann passierte erst mal wenig...



Im folgenden halben Jahr schlief die ganze Geschichte um Brotlos ein. Auftritte standen keine mehr an, geprobt wurde kaum und jeder kümmerte sich vermehrt um die Veröffentlichung seiner Soloplatten.

Erst als ein Konzert im Cochemer Kapuziner-Kloster anstand (dieses hatte man bei einem Talentwettbewerb gewonnen), wurde die Lust der fünf Hobbymusikanten Arnold, Neef, Keifenheim, Dunkel und Schranz wieder geweckt. Allerdings plante man das Konzert als Unplugged-Session, deshalb brauchte man unbedingt Verstärkung: Michael Saur vom Ratm-Projekt an den Percussions, Sebastian Hippert und Alexander Dinges an den Akustik-Gitarren. Letzterer hatte schon einige erfolgreiche Duett-Auftritte mit Sänger-Arnold hinter sich gebracht. Mit neuer Besetzung und neuem Programm rockte man das doch recht seriöse Publikum des Kapuzinerklosters. Bei der improvisierten Reggae-Zugabe durchfuhr dieses heilige Gemäuer mit seiner in Abendgarderobe gehüllten Audienz ein Hauch von Love, Peace & Rock´n´Roll. War sehr cool...

Nach diesem fulminanten Gig beschloss man einhellig diese Besetzung beizubehalten, nicht zuletzt weil man viel mehr Möglichkeiten hatte, z.B. konnte man nun Mehrstimmig singen, und auch Schlagzeuger-Schranz konnte mal ans Mikrofon und Lieder der sonst eher Brotlos- untypischen Art wie z.B. Tag am Meer zum Besten geben.



Zwei weitere Konzerte folgten in dieser Besetzung, für den TuS-Treis-Karden und für das Cochemer Autohaus-Meurer, ehe Band und Gitarrist Hippert getrennte Wege einschlugen. Iwo Iwanov kehrte zurück in die Band und vielleicht war dies lebenswichtig für Brotlos, denn eine Iwanov’sche Führung brachte in die Band sowohl Ruhe wie auch eine gewisse Qualitäts-Garantie.

Nunmehr standen den Jungs sämtliche Stilrichtungen offen, beim knapp 35. Brotlos-Konzert beim Dohrer Junggesellenfest begeisterte man mit einer ungeheuren Bandbreite seines Repertoires.

So könne man ja quasi ewig weitermachen, dachte man. Doch wieder kam es anders als erwartet. Es war gerade im Advent des Jahres 2001, da offenbarten Iwo und Mario (Sie wissen schon...) den völlig überraschten Rest-Brotlosen, sie müssten sich von Brotlos lossagen um sich ihrem kommenden Musikstudium konzentrierter widmen zu können. Welch herber Rückschlag für die aufstrebenden Musikanten, wenngleich verständlich, da die Aufnahmeprüfungen fürs Musikstudium schon ihre Vorbereitungszeit brauchen. Also musste man das wenige Tage später anstehende t8-Konzert als letztes Konzert betrachten. Das die Resonanz auf dieses (Abschieds-)Konzert derart euphorisch ausfiel, hätte sich keiner träumen lassen. Immer wieder wurden die Bandmitglieder zum weitermachen aufgefordert. Und in Anbetracht der Tatsache dass man sich in all den Jahren mühsam ein Equipment, einen Proberaum etc., also praktitsch alles was ne Band braucht, zusammengespart hatte, war nun wirklich die ernsthafte Überlegung anzustellen, ob es das denn schon alles gewesen sein sollte. Der übriggebliebene Teil der Gruppe bildete einen Krisenstab der Tage und Nächte überlegte, wie man den Abgang vom Showgeschäft bloß vermeiden könnte. Und siehe da, es Taten sich tatsächlich Möglichkeiten auf die Band nicht sterben zu lassen. Also suchte man einen Gitarristen vom Kaliber eines Iwo´s und fand diesen in einem angehenden Musikstudenten aus Cochem. Das war der Andre Lenz.

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Mit diesem probte man einige Male und man beschloss erst mal ein Programm auf die Beine zu stellen und dann mal weiter zu sehen. Nach den ersten Gemeinsamen Gigs mit dem Neuen, packte auch den dunklen Mario immer Mal wieder die Lust, ein bisschen mitzumachen. Als flexibles Bandmitglied wirkte er bei den meisten Konzerten mit – macht ja auch Spaß...



Und irgendwann bot der JGV Dohr den Brotlosen erstmals auch eine Spielzeit jenseits der 23 Uhr an. Wie besonders dieses Heimspiel, auf dem Open-Air Gelände der Dohrer Schutzhütte veranstaltete Konzert zusammen mit den „Smart Dressed-Papas“, tatsächlich sein sollte, stellte sich eine Woche nach dem Konzert heraus:
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Bei einem Verkehrsunfall wurde Gründungsmitglied Dominik Neef das Opfer eines rasenden Motorradfahrers. Die Band, emotional zutiefst erschüttert, zollte ihrem Freund und Musikkollegen auf dessen Beerdigung mit drei Songs Tribut („Last unicorn“, „Mr Jones“ und „Lightning Crashes“). Dabei diente den sieben Rest-Brotlosen (unterstützt von Iwo Iwanov) die Musik als Medium des Abschiednehmens. Wenngleich Brotlos schon immer von Herzen kommend musiziert hatte, so war doch alles bisher gespielte nicht mal annähernd so intensiv umgesetzt wie an jenem Donnerstag, den 28. August 2003. Dieser Tag, an dem man gezwungen wurde, ein wichtiges und großartiges Kapitel von Brotlos zu schließen, wird uns ewig in Erinnerung bleiben. In Erinnerung an ihn: Einen großartigen Menschen und begeisterten Musiker.


Seit dem überlegen die Brotlosen bei jeder Anfrage für einen Auftritt aufs Neue, ob es sich der Gig einrichten lässt. Immerhin: Leichter ist das Planen nicht geworden. In alle Himmelsrichtungen sind die Brotlosen zerstreut. Der eine studiert in Dortmund, der andere in Mainz. Ein weiterer in Köln. Da ist es nicht immer ganz leicht, Termine zum Proben zu finden. Zwei Brotlose traten schließlich auch noch ein Jahr im Ausland an. Mario ging nach Atlanta/USA, kurz bevor er wieder Heim kam, ging Schlagzeuger Michael Saur nach Brisbane/Australien. So sah es also (mal wieder) nach einem allerletzten Konzert aus, als die Brotlosen am 13. August 2005 anlässlich der Verabschiedung von Mario Dunkel und dem 25. Geburtstag von Christian Schranz noch einmal viele, viele Freunden und Bekannten zu einem privaten kleinen Konzert am Pflanzengarten in Treis einluden. An dem Ort, an welchem knapp zwei Jahre zuvor die Brotlosen ein - auch wenn sie es damals nicht ahnen konnten - letztes Mal mit ihrem Gründungsmitglied Dominik Neef gefeiert hatten. Damals hatten die Brotlosen eingeladen, aber nicht gespielt. Dieses Mal, kurz vor dem Abschied von Mario in die USA, spielten die Brotlosen noch mal viele, viele Lieder aus all den Jahren. Als sei es das letzte Mal...
Mit dabei war auch ein Freund von Mario aus Dortmund, der Saxophonist Martin Sawatzki - ein Musiker, mit dem man sich musikalisch und menschlich sofort blendend verstand. Wäre doch eine Schande, würde man das neue mögliche Potenzial nicht nutzen. Doch da war noch das Problem mit den abreisenden Studenten. Glücklicherweise, fanden sich schnell zwei hochwertige Musiker, die diese Lücke bereitwillig und beeindruckend füllten. Keyboarder Peter Birkenbeil, dem Brotlosen Freundeskreis schon lange kein unbekannter, und Schlagzeuger Daniel "Buddy" Batarow fügten sich nahtlos ein und machten die Brotlos-Konzerte weiterhin zu immer wieder ganz besonderen Momenten im Leben des musikalischen Freundeskreises.
"Brotlos ist ein großes Stück Heimat", diktierte Mario Dunkel nach seiner Rückkehr aus den Staaten und seiner geglückten Re-integration in die Feder eines Journalisten. Solange man noch - wenn auch deutlich seltener als früher - zusammenkommt, fügen die Brotlosen immer wieder ein weiteres Stück "an die Zeit ihres Lebens" hinzu. Es bleibt zu hoffen, dass ihnen das noch eine Weile gelingt...